Startseite Leitfaden Widerruf Kontakt

Redaktionelle Sichtung · Mangan und Selen

Zwei Elemente und zwei sehr verschiedene Einbauwege


Wissenschaftliche Fakten zu zwei Mineralien — gemäß EU-Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Zur Sichtung

Ein Metall, ein Halbmetall, zwei getrennte Einträge

Zoisitweg ist eine redaktionelle Reihe über einzelne Mineralstoffe und das, was die Chemie zu ihnen festgehalten hat. In dieser Ausgabe stehen zwei nebeneinander: Mangan, ein Übergangsmetall, und Selen, ein Halbmetall aus der sechsten Hauptgruppe. Beide erscheinen im europäischen Verzeichnis unter derselben Rubrik. Im Inneren einer Zelle gelangen sie jedoch auf Wegen an ihren Arbeitsplatz, die sich kaum ähnlicher sind als eine Postsendung und ein Bauteil, das schon in der Werkhalle eingesetzt wurde.

Mangan wird nachträglich eingesetzt. Das Eiweiß, das es später trägt, hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine Membran passiert, seine Faltung angenommen und einen Teil seiner eigenen Kette verloren. Selen dagegen wird nicht eingesetzt, sondern mitgebaut: Es sitzt in einer Aminosäure, die das Ribosom an einer Position der Kette einfügt, an welcher der Standardcode die Übersetzung sonst beendet.

Der folgende Text beschreibt beide Wege. Die zwei freigegebenen Formulierungen erscheinen weiter unten im Wortlaut; welche davon zu welchem Element gehört, steht jeweils dabei. Der restliche Text stammt aus der Fachliteratur und ist als redaktionelle Beschreibung zu lesen, nicht als behördlich geprüfte Angabe.


Die beiden Elemente, je für sich

Zu Mangan und zu Selen führt der Anhang der Verordnung jeweils einen eigenen Eintrag. Die beiden Formulierungen stehen hier nebeneinander, aber nicht zusammengefasst.

Mn

Mangan

Der Körper eines Erwachsenen führt insgesamt etwa 10 bis 20 Milligramm Mangan mit sich, den größten Anteil davon in Knochen, Leber und Nieren. Für den Gegenstand dieser Ausgabe zählt vor allem ein einziges Enzym: eine Dismutase, die im Innenraum der Mitochondrien arbeitet, aus vier gleichartigen Untereinheiten besteht und in jeder davon genau ein Manganion hält.

In Nährwerttabellen erscheinen Haselnuss, Haferflocken, Weizenkleie, Vollkornreis und schwarzer Tee mit den höchsten Werten. Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 nennt für Mangan einen Bezugswert von 2 mg je Tag.

„Mangan trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Se

Selen

Selen steht im Periodensystem eine Zeile unter dem Schwefel und verhält sich chemisch ähnlich — mit einem Unterschied, den die Biochemie ausnützt: Die selenhaltige Seitenkette gibt ihr Wasserstoffatom deutlich leichter ab als die schwefelhaltige und liegt unter Körperbedingungen bereits in der abgegebenen Form vor. Insgesamt führt der menschliche Körper etwa 10 bis 15 Milligramm Selen, verteilt auf rund fünfundzwanzig verschiedene Eiweiße.

Paranuss, Thunfisch, Steinpilz, Hühnerei und Sonnenblumenkern erscheinen in den veröffentlichten Reihen mit den höchsten Werten. Anhang XIII nennt für Selen einen Bezugswert von 55 µg je Tag.

„Selen trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012


Zwei Einbauwege, nebeneinander gelesen

Wer Mangan und Selen als Paar behandelt, verwischt leicht den Umstand, dass die beiden Elemente in einer Zelle nicht einmal denselben Aggregatzustand ihrer Ankunft teilen. Das eine kommt als gelöstes Ion und findet ein fertiges Eiweiß vor. Das andere kommt als Baustein und ist da, bevor das Eiweiß existiert. Die folgenden Abschnitte gehen beide Wege einzeln durch.

Erst der Umzug, dann das Metall

Der Bauplan für die manganhaltige Dismutase liegt im Zellkern, gefertigt wird die Kette jedoch an Ribosomen im Zellsaft. Damit sie an den richtigen Ort gelangt, trägt sie am Anfang eine kurze Signalfolge von rund zwei Dutzend Bausteinen. Zwei hintereinandergeschaltete Kanäle in der äußeren und in der inneren Mitochondrienmembran ziehen die Kette hindurch; auf der anderen Seite trennt eine Peptidase die Signalfolge ab, und was übrig bleibt, faltet sich im Innenraum zu seiner endgültigen Form.

Erst danach kommt das Mangan hinzu. Diese Reihenfolge hat eine Folge, die in der Fachliteratur ausführlich beschrieben ist: Die Bindetasche nimmt auch Eisen auf, das chemisch ähnlich passt. Sitzt Eisen darin, bleibt das Eiweiß zwar gefaltet und stabil, setzt aber nichts mehr um. Die Zelle muss deshalb nicht nur den Nachschub sichern, sondern auch das Verhältnis der beiden Metalle im Innenraum in Grenzen halten.

Auf die anerkannte Funktion des Elements bezieht sich die Zeile, die der Anhang der Verordnung für Mangan führt:

„Mangan trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Was das Manganion in seiner Tasche festhält

Das fertige Eiweiß liegt als Verband aus vier baugleichen Untereinheiten vor — anders als die verwandte Form im Zellsaft, die sich mit zwei begnügt. Jede Untereinheit trägt ein Manganion, und dieses Ion wird von vier Seitenketten gefasst: drei Histidinen und einem Aspartat. Der fünfte Platz in der Koordination bleibt für ein Molekül aus dem umgebenden Wasser frei; er ist die Stelle, an der die Reaktion stattfindet.

Der Zugang zu dieser Stelle ist nicht dem Zufall überlassen. Am Eingang des Kanals liegen geladene Seitenketten so verteilt, dass sie ein negativ geladenes Teilchen der Reihe nach weiterreichen. In der Strukturbiologie heißt diese Anordnung ein elektrostatischer Trichter; sie erklärt, weshalb die gemessene Umsatzgeschwindigkeit dieser Enzymfamilie höher ausfällt, als eine rein zufällige Begegnung von Teilchen und Metallplatz erwarten ließe.

Eine Aminosäure an einer Position, die sonst Halt bedeutet

Das Selen der Selenoproteine liegt nicht als freies Ion vor, sondern als Bestandteil einer eigenen Aminosäure. Ihr Einbau setzt eine Ausnahme vom Leseverfahren voraus, denn im genetischen Code steht die Zeichenfolge UGA für das Ende der Kette. Damit ein Ribosom sie an dieser einen Stelle anders liest, braucht es ein zweites Signal: eine Haarnadel aus RNA, die hinter dem Ende des eigentlichen Bauplans liegt, im nicht übersetzten Abschnitt der mRNA.

An diese Haarnadel lagert sich ein Bindeprotein an, das seinerseits einen eigenen Verlängerungsfaktor heranzieht. Dieser Faktor bringt eine besondere Transfer-RNA mit. Bemerkenswert an ihr ist der Umweg ihrer Beladung: Sie wird zunächst mit Serin bestückt, das Serin wird an Ort und Stelle mit einer Phosphatgruppe versehen, und erst ein drittes Enzym tauscht diese Gruppe gegen Selen aus, geliefert in Form eines eigens dafür hergestellten Selenophosphats. Die Aminosäure entsteht damit nicht frei im Zellsaft, sondern fertig aufgesetzt auf ihrem Transportmolekül.

Diese Beschreibung ist redaktioneller Sachtext. Auf die behördlich geprüfte Funktion des Elements bezieht sich allein die Zeile, die der Anhang für Selen führt:

„Selen trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Wer die beiden Zeilen untereinanderlegt, liest zweimal denselben Nachsatz und zweimal ein anderes Element davor. In dieser Form — als zwei Einträge mit je eigener Nummer — sind sie hinterlegt, und in dieser Form gibt diese Ausgabe sie wieder.


Zoisitweg 2026 — die kostenpflichtige Ausgabe

Sie geht weiter, als eine Website es sinnvoll kann: die vier Etappen der Einschleusung in den Innenraum mit Zeichnung, die Umrüstung an der Transfer-RNA als Reaktionsschema, beide Gehaltstabellen in voller Länge statt in einer Auswahl von acht Zeilen, dazu der Rechenweg zu den Kennzeichnungsschwellen aus Anhang XIII und ein Verzeichnis der herangezogenen Arbeiten mit Jahreszahl.

49,00 € inkl. MwSt.

Einmaliger Zugang · Digitales Informationsprodukt

Warum bei einer Datei § 356 BGB dazwischentritt

Verbraucher können sich bei Fernabsatzverträgen 14 Tage lang vom Vertrag lösen. Für digitale Inhalte, die sofort nach der Zahlung bereitstehen, knüpft § 356 BGB daran zusätzliche Voraussetzungen. Welche das sind und wie sie hier gehandhabt werden, steht in der Widerrufsbelehrung.


Gesundheitshinweis

Diese Seiten und die kostenpflichtige Datei geben allgemeine Information. Eine ärztliche Untersuchung, eine Diagnose oder eine auf eine Person zugeschnittene Beratung ersetzen sie nicht; dafür ist eine approbierte Ärztin oder ein approbierter Arzt zuständig. Wer gesundheitliche Fragen oder Beschwerden hat, bespricht sie bitte in der Praxis seines Vertrauens. Eine abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise lassen sich durch Nahrungsergänzungsmittel nicht ersetzen; die auf einer Packung angegebene tägliche Verzehrmenge ist einzuhalten. Erzeugnisse dieser Art sind außer Reichweite kleiner Kinder aufzubewahren.

Was auf dieser Seite nicht von Dritten stammt

Zoisitweg wird eigenständig herausgegeben. Eine Verbindung zu Google LLC, zu YouTube LLC, zu Alphabet Inc. oder zu einem mit ihnen verbundenen Unternehmen besteht nicht. Google und YouTube sind eingetragene Marken von Alphabet Inc.; genannt werden sie hier ausschließlich zur Benennung. Geprüft, genehmigt oder empfohlen hat keines dieser Unternehmen die Texte dieser Website. Wird für diese Website geworben, liegt die Verantwortung dafür beim unten genannten Anbieter; dass eine Anzeige gebucht wurde, besagt nichts über den Inhalt der beworbenen Seiten.


Schriftverkehr mit der Redaktion

Fragen zum Sachteil, Hinweise auf einen Zahlendreher, Bestellvorgänge, der Rücktritt vom Kauf und Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO kommen alle an dieser Stelle an. Felder mit Stern gibt der Browser nicht leer frei. Abgeschickt wird nichts auf dieser Seite. Die Schaltfläche reicht die Felder an das Mailprogramm weiter, das dieses Gerät verwendet; ob und wann die Nachricht hinausgeht, entscheiden Sie dort.

Wer lieber selbst schreibt, nimmt diese Adresse: [email protected]